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Wie ein in Wien ansässiger Meisteruhrmacher die industrielle Präzision ablehnte, um eine kultige Marke für gotische Uhrmacherei zu gründen – handgefertigte, langsam hergestellte Zeitmesser, die die Wahrnehmung der Zeit in einen spirituellen Akt des Widerstands verwandeln. Entdecken Sie neu definierten handwerklichen Luxus.

Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung bei der Restaurierung antiker Zeitmesser war Klaus die starre Präzision der industrialisierten Uhrmacherei zunehmend zuwider geworden. In diesem Moment fasste er den Entschluss, die Ketten zu durchbrechen. Er zerlegte drei antike Uhren, schmolz den Lotabfall ein und schuf seine erste Solder Dragon Scale Watch. Ihr Gehäuse nimmt die konturierten Spitzbögen gotischer Kathedralen auf, wobei winzige schwarze Onyxe in die Lottürme eingelegt sind – wie Sternenlicht, das durch die Ritzen von Grabsteinen hindurchschimmert. Das rot glasierte Zifferblatt wurde mittels einer alten, geheimen Brenntechnik gefertigt; sein Farbton spiegelt die düstere Tiefe gotischen Buntglases wider. In seiner Mitte befinden sich keine Zeiger, sondern lediglich ein geschwungener silberner Dorn, der mit jedem vergehenden Augenblick durch die Türme hindurchschlängelt.
Das Stück löste heftige Debatten in Nischenforen aus, traf jedoch gleichermaßen bei Gothic-Enthusiasten und rebellischen Seelen auf Resonanz. Sein erster Kunde war ein Wüstentrekker, der drei Wochen auf die Uhr wartete, bevor er die unbewohnte Sahara durchquerte. Auf dem Foto, das er zurücksandte, hafteten Sand und Wind an den Türmen der Uhr, darunter eine handschriftliche Notiz: „Ihre kalte Starrheit ist meine Rüstung gegen die Einsamkeit.“


Klaus lehnte jegliche Massenfertigung ab und verlegte seine Werkstatt an den Rand des Wiener Alten Friedhofs. Jede Bestellung erfordert eine dreiwöchige Wartezeit: Die Geschwindigkeit, mit der Lot abkühlt, ist die Langsamkeit, die die Zeit haben sollte. Mit einer Geste zu den Grabsteinen vor seinem Fenster erklärt er die tiefe Bedeutung der Türme und der gotischen Gestaltung: Gotische Zeit ist niemals nur Zahlen. Sie ist der stechende Schmerz einer Spitze, die die Haut berührt, die Spur einer Dornenranke über das Zifferblatt – wenn man wirklich spürt, wie sie einem entgleitet, lernt man, die Wärme des eigenen Atems zu schätzen.
Diese Uhr wurde bald zu einem Symbol wilder Zeitmessung in Nischenkreisen und sogar zu einer inoffiziellen Eintrittskarte für unterirdische Friedhofsversammlungen von Gothic-Liebhabern. Manche verstecken sie unter ihren Anzughemden, sodass der kalte Glanz der gotischen Dornen gegen die Starrheit des Berufslebens ankämpft; andere nehmen sie mit ans Meer, wo der salzige Wind die Türmchen rosten lässt und die Patina der Zeit zurücklässt.
Sie tragen sie, während sie Baudelaire auf dem Friedhof lesen – die gotische Durchbrocharbeit der Uhrenkette verfängt sich gelegentlich in schwarzen Schleiern, wie Blutflecken, die aus der Zeit selbst sickern. Unter den Ärmeln schwarzer Gewänder ist das leise Klirren der Türmchen der Uhr an silbernen Schmuckstücken ein leiser Flüsterhauch spiritueller Rebellion. Ein Enthusiast brachte es am besten auf den Punkt: Die meisten Uhren fordern Sie auf, der Zeit hinterherzujagen. Diese hier erlaubt es Ihnen, sie zu spüren – um mit der kalten Schärfe und den unnachgiebigen Kanten des Gotischen zu leben.
So erhielt die Marke den Namen Bonespike Horology: Bones (Knochen) für die sterblichen Überreste der Zeit, Clock (Uhr) für die Wahrnehmung der Gegenwart, Spike (Dorn) für eine unkopierbare Schärfe. Klaus stellte eine heilige Regel auf: Jede Uhr musste nach ihrer Fertigstellung eine Nacht lang auf einem Grabstein ruhen – damit sie die Luft des Sensenmanns einatmen konnte, bevor sie sich fest an das Handgelenk der Lebenden schmiegte. Spätere Designs fügten weitere gotische Details hinzu: Schnallen in Form von Fledermäusen sowie die lateinische Inschrift „Tempus edax rerum“ („Die Zeit frisst alle Dinge“) auf dem Gehäuseboden, als Echo der Inschriften auf den alten Grabsteinen außerhalb.


Wenn Klaus gefragt wird, ob er befürchtet, dass sein Stil zu speziell ist, findet man ihn oft über eine Werkbank gebeugt, mit einem Lötbrenner in der Hand, während er eine Fledermaus-Schließe formt und das Feuer in seinen Augen glitzert. „Ich möchte nur eine gotische Uhr für diejenigen herstellen, die sich der Zeit nicht beugen wollen“, sagt er. Jeder Dorn, jedes Muster ist ein Unikat – genauso wie die Zeit jedes Menschen, die ihre eigene kalte, kompromisslose Form haben sollte.
An der Werkstattwand hängt das Foto des Wüstentreckers neben der ersten antiken Uhr, die Klaus jemals restauriert hat. Hin und wieder durchschneidet das scharfe Zischen eines Lötbrenners die Stille, während geschmolzenes Lot herabtropft und zu Türmen erstarrt – undefinierte Symbole der Zeit, die leise im Rhythmus der Wiener Tage und Nächte wachsen.
